| Reiseziel: | Lofoten (Moskenesøya, Flakstadøya) Bodø - Moskenes - Reine - Munkebu-Hütte - Ramberg - Vikten - Nusfjord - Kjerkfjord - Bunesstrand - Å Karte Lofoten |
| Reisezeit: | 03.-10. Juni 2012 |
| Reiseart: | Ferienhaus (Rorbuer Hytte) in Reine |
| Anreise: | Flug über 🇳🇴 Oslo nach Bodø, von dort mit der Fähre nach Moskenes und mit dem Bus nach Reine. Gleicher Weg zurück.Flüge...Sonntag 03. Juni: 🇩🇪 Frankfurt ab 14:00 → Umstieg: 🇳🇴 Oslo → 🇳🇴 Bodø an 18:40Sonntag 10. Juni: 🇳🇴 Bodø ab 09:50 → Umstieg: 🇳🇴 Oslo und 🇩🇰 Kopenhagen → 🇩🇪 Frankfurt an 16:30* * dies wäre der Rückflug gewesen, aber es kam dann leider anders, mehr dazu unter "Fährzeiten..." Fährzeiten...Montag 04. Juni: 🇳🇴 Bodø ab 01:45 → 🇳🇴 Moskenes an 05:15Samstag 09. Juni: 🇳🇴 Moskenes ab 07:00 → 🇳🇴 Bodø an 10:15* * dies wäre die einzige und richtige Fährabfahrt für die Rückfahrt nach Bodø am Samstag gewesen. Leider war mir bei der Reisevorbereitung ein folgenschwerer Fehler unterlaufen: die nächste Fähre legte fahrplanmäßig erst wieder am darauffolgenden Montag um 00:15 von Moskenes ab. In den Fahrplänen der Torghatten Nord AS war sie aber unter Sonntag eingetragen und mit einem kleinen "N" für "neste dag" gekennzeichnet. Bei meiner vorbereitenden Internet-Recherche fehlte dieses kleine aber entscheidende "N" allerdings in einem Fahrplan. Es sollte ein teurer Buchstabe werden, aber dazu später mehr... |
| Reisestrecke: | vor Ort von Reine aus per Linienbus und mit vor Ort angemietetem Mietwagen (Mietwagenverleih Moskenes) |
Reiseziel Lofoten: Wann genau die Idee für meine erste Reise auf die Lofoten entstand, weiß ich nicht mehr so genau. Vorausgegangen war unsere Jungfernreise nach Norwegen mit der ganzen Familie im Sommer 2011, die -geplant als Alternative für das im Ferienmonat August überlaufene Südeuropa- sich für uns zu einem skandinavischen Traumurlaub entwickelt hatte. Es war wohl um den Jahreswechsel, als sich für das neue Jahr das Reiseziel Lofoten bei mir herauskristallisierte. Es waren vor allem die unglaublich schönen Naturaufnahmen, die mich beim Einlesen zunehmend in den Bann zogen, aber auch der Wunsch, das Naturschauspiel Mitternachtssonne einmal selbst live zu erleben.
Besonders spektakulär schien die Südspitze der Lofoten, die "Lofotenwand" um den Kjerkfjord zu sein. Dorthin plante ich meine Reise: Mit dem Flugzeug wollte ich nach Bodø auf dem nordnorwegischen Festland fliegen, dann mit dem Schiff übersetzen hinüber in das in traumhafter Kulisse gelegene Reine, um mich dort für eine Woche in einem der typischen Rorbuer einzumieten. Eine gute Reisezeit für die Lofoten sollte die Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni mit einer häufig trockenen und freundlichen Wetterperiode sein. Und natürlich begann ab Ende Mai auf diesem Breitengrad bereits die Zeit der Mitternachtssonne!
Als ich einem langjährigen Freund von meiner Idee erzählte, kam schnell der Plan auf, diesen Trip über den Polarkreis gemeinsam unternehmen zu wollen. Am 03. Juni 2012 bestiegen wir dann in Bodø die Fähre Richtung Lofoten sogar zu viert, sein Sohn und sein Schwiegersohn waren noch zu uns gestoßen.
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Reisezeit: Die Lofoten liegen hoch im Nordatlantik, er bestimmt das vorherrschende Wettergeschehen auf der Inselgruppe. Gleichzeitig reicht bis hier aber auch der atlantische Golfstrom, dessen Meerwasser aus dem Golf von Mexico immer noch so viel Restwärme mit sich führt, dass die Temperaturen trotz einer Lage nördlich des Polarkreises ganzjährig wesentlich milder sind als auf dem Festland. Das Wetter auf den Lofoten kann selbst innerhalb eines Tages schnell wechseln, mitunter liegen zwischen strahlendem Sonnenschein und orkanartigem Sturm aus Nordwest nur ein paar Stunden. In den Monaten April-Mai (mitunter auch bis Mitte Juni) bestimmt jedoch oft trockene polare Luft ☀ das Wettergeschehen auf der Inselgruppe. Über Jahreszeiten und Klima Norwegens finden Sie mehr unter www.visitnorway.de/../jahreszeiten-klima>.
Der Sommer auf den Lofoten ist kurz, aber dafür geht ab Ende Mai bis Mitte Juli (je nach Breitengrad) die Sonne nicht unter. Die Beobachtung des Naturschauspiels Mitternachtssonne ist Highlight einer jeden Reise in dieser Zeit.
Juli ist Ferienmonat in Skandinavien. Die Fährplätze und Unterkünfte sind dann schnell ausgebucht, während außerhalb dieser Zeit kaum Probleme zu erwarten sind.
Anreise: Perfekt für die Anreise an die Südspitze der Lofoten erwies sich für uns die Hafenstadt Bodø 🇳🇴, die man mit Flugzeug aus Deutschland 🇩🇪 (über mindestens ein Zwischenstopp) gut erreichen kann, und von wo regelmäßig Fähren auf die Lofoten übersetzen. Bei frühzeitiger Buchung finden sich hier durchaus preiswerte Flüge.
Die Überfahrt Bodø - Moskenes dauert auf direktem Weg (ohne Anfahren der Inseln Værøy und Røst) 03h15'. Zu beachten ist, dass die Fähre werktags jeweils nur zweimal am Tag fährt, am Wochenende noch seltener. Nur in der Hauptreisesaison Anfang Juni bis Ende August, werden zusätzliche Verbindungen angeboten. Es gilt also, die Flüge nach Bodø geeignet nach diesen Fährzeiten zu organisieren, um die Transferzeiten bei An- und Abreise kurz zu halten.
Der Fähranleger in Moskenes auf den Lofoten wird von öffentlichen Buslinien angefahren, die wir ins wenige Kilometer entfernte Reine nutzten. Alternativ befindet sich nur 50m vom Fähranleger in Moskenes ein Mietwagenverleih, den wir selbst vor Ort für einige Tage gerne in Anspruch angenommen haben.
Unterkunft: Charakteristisch für die Lofoten sind kleine Fischerhütten (no. Rorbuer), die -oft auf Pfählen gegründet- am Küstensaum liegen und das Bild der Inselgruppe prägen. Viele ehemalige Rorbuer sind heute zu komfortablen Ferienunterkünften umgebaut. Wir hatten uns im Vorfeld der Reise für ein solches Cottage in der Ferienanlage Reine Rorbuer entschieden.
Die Fischersiedlung Reine liegt gemeinsam mit Hamnøy über mehrere Schäreninseln verteilt um den Eingang des gleichnamigen Fjords und bietet ein sensationelles Panorama auf den Kjerkfjord und die umgebenden Berge, die wegen ihres steilen Aufragens aus dem Meer auch als "Lofotenwand" bezeichnet werden. Natürlich schlug sich diese bevorzugte Lage im Unterkunftspreis nieder.
zum Einlesen: Wer zum ersten Mal nach Norwegen reist, sollte in jedem Fall für die Reiseplanung einen guten Reiseführer 📖 zu Rate ziehen. Reiseführer zu Norwegen finden sich in der Regel vielfältig und gut sortiert. Gut gefällt mir hier das DuMont 'Reise-Handbuch Norwegen' von Michael Möbius und Annette Ster.
Als zusätzlichen ausschließlich auf die Inselgruppe zugeschnittenen Reiseführer entschied ich mich für die Ausgabe 'Lofoten' der gleichen Autoren aus dem Elch-Verlag mit vielen Details über Natur, Geschichte und Leben auf den Lofoten, sowie Touren- und Wandervorschlägen.
03. Juni 2012 (Tag 0) 🇩🇪 Anreise nach Bodø 🇳🇴 (✈ 1.950km)
Am Flughafen in Frankfurt war es grau in grau und es regnete in Strömen, als unsere Maschine der SAS pünktlich abhob. Nach kurzem Zwischenstopp in Oslo Gardemoen wollte wir unseren Anschlussflug Richtung Polarkreis nehmen. Als wir jedoch dort in die Abflughalle zum Transfer kamen, war diese voller Menschen, die sich in einer 300m langen Schlange vor dem Security Check aufgestaut hatte. Was man uns beim Abflug in Frankfurt nicht mitgeteilt hatte war ein -für Norwegen eher seltener- Streik des Flughafenpersonals in Oslo, der uns ausgerechnet heute ereilen sollte.
Mit drei Stunden Verspätung saßen wir schließlich wieder im Flieger, um nach einem Flug über eine größtenteils winterliche Landschaft kurz nach 20:00 auf dem Bodø Lufthavn
erstmals nördlich des Polarkreises von Bord zu gehen. Wir, das waren mein Freund, sein Schwiegersohn und ich. Der Vierte im Bunde, der Sohn meines Freundes, reiste aus Berlin an und war nach Zwischenstopp in Trondheim kurz vor uns angekommen.
Die Luft war merklich frischer als gewohnt und roch noch nach Schnee als wir uns für die Wartezeit bis zur Abfahrt der Fähre eine wärmende Einkehr suchten. Die Bar schloss gegen Mitternacht, draußen war es immer noch taghell.
04. Juni 2012 (Tag 1) Bodø - Reine Anreise Lofoten Detailkarte Lofoten
Bodø - Überfahrt nach Moskenes ⛴ - Reine - Reinebringen
Fotogalerie zum Vergrößern bitte anklicken...Der Fährableger war wie ausgestorben als die Fähre in den Hafen einlief. Kurz nach 02:00 morgens ließen wir die Hafenmole von Bodø hinter uns und gingen bei eisigem Fahrtwind, aber aufreißendem Himmel, auf die knapp 100km lange Überfahrt über den Vestfjord zur Südspitze der Lofoten. Die erste Stunde hielten wir noch an der Reling durch,...
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... denn da war sie: über ruhiger See begrüßte uns unsere erste "Mitternachtssonne" um Viertel vor drei Uhr morgens in goldenen Farben vor der fernen fast im Meer versinkenden Silhouette der Gebirgskette der Lofoten im Norden. Ein eindrucksvolles Landschaftsbild, das wir versuchten für die Erinnerung einzufangen.
Dann aber trieb uns die Kälte in die Kajüte und kurz danach die Müdigkeit in einen kurzen Schlaf auf den gepolsterten Sitzreihen im menschenleeren Schiff. Um fünf Uhr morgens liefen wir in den kleinen Hafen von Moskenes an der südlichsten Lofoten-Insel Moskenesøya ein und warteten auf den ersten Linienbus nach Reine.
Die Luft roch nach Küste und Meer. Aber da war noch ein anderer uns fremder Geruch in der Luft, dessen Ursprung wir spätestens als wir an unserem Rorbuer in Reine ankamen zuordnen konnten: es war der auf der Insel zu dieser Jahreszeit allgegenwärtige Geruch fermentierenden Stockfischs.
Jeden Winter ziehen große Schwärme von Kabeljau (Dorsch) aus den Gewässern des nördlichen Eismeeres rund um Spitzbergen und der Barentssee in ihre wärmeren Laichgründe zwischen den Lofoten und dem Festland, um in den Monaten Januar bis April dort tonnenweise in den Netzen der Lofotfischer zu landen. Seit Jahrhunderten wird er -entsprechend ausgenommen- anschließend in der trockenen Polarluft über Holzgestellen (no. stokk) für mehrere Wochen luftgetrocknet. Über den gesamten Archipel verteilt hängen in dieser Zeit die Stockfischgestelle voll und überziehen den Küstensaum mit ihrem markanten Geruch nach Fermentierung. (Mehr über die Geschichte und Bedeutung des Stockfischs (no. Torsk), und warum ausgerechnet Italien wichtigstes Abnehmerland ist, finden Sie z.B. im Lofotenführer von Michael Möbius und Annette Ster.)
Nachdem wir unser gemütliches Rorbuer in Reine bezogen und im lokalen Supermarkt (der allerdings -Fußweg 30 Minuten- auf der anderen Seite der Bucht lag!) für unser leibliches Wohl der kommenden Tage vorgesorgt hatten, klarte es um die Mittagszeit mehr und mehr auf.
Es war sonnig, warm und windstill geworden, ideale Voraussetzungen für einen Aufstieg auf den 448m steil über Reine liegenden Gipfel des Reinebringen. Wer weiß wie das Wetter in den nächsten Tagen werden würde, also "carpe diem" und hinauf zu einem der grandiosesten Ausblicke, die ich je erleben durfte. Der Weg ist relativ steil, aber für trittsichere und sportliche Wanderer unter trockenen Bedingungen dennoch gut zu meistern. (Eine detaillierte Wegbeschreibung finden Sie im o.g. Lofotenführer; wenn Sie es lieber online mögen: mir gefällt dieser Toursteckbrief sehr gut).
Nach etwa einer Stunde oben am Gratsattel angekommen war ich fassungslos über die Großartigkeit des sich vor mir öffnenden Ausblicks. Obwohl ich während der Reisevorbereitungen schon viele Bilder dieses Panoramas gesehen hatte, hier oben muss man selbst stehen und diese überwältigende Kulisse mit allen Sinnen erleben!
Nach einem kleinen Nickerchen in der warmen Spätnachmittagssonne ging es mit unvergesslichen Bildern im Gepäck wieder hinunter in einen noch langen hellen Abend.
05. Juni 2012 (Tag 2) Wanderung zur Djupfjordheia 🚶 - Mitternachtssonne 🚘 Detailkarte Lofoten Karte Wanderung zur Djupfjordheia
Sørvågen - Stuvdalsvatnet - Djupfjordheia - Mitternachtssonne bei Ramberg
Fotogalerie zum Vergrößern bitte anklicken...Der wenige Schlaf der Vortage zollte seinen Tribut und wir schliefen heute erst Mal weit in den Tag hinein aus. Aber was heißt das schon, wenn es gar keine Nacht gibt 😉?
Am späten Vormittag nahmen wir den Linienbus, um ins wenige Kilometer entfernte Sørvågen zu gelangen, dem Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung...
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...in Richtung Munkebu-Hütte. Um den noch fast auf Meereshöhe gelegenen Sørvågvannet am Start der Wanderung herum ging es danach stetig aufwärts, zunächst am Stuvdalsvatnet einem geschützten Trinkwasserspeicher vorbei, dann Höhe gewinnend
oberhalb des tief unter uns blau-scharz liegenden Tridalsvatnet. Nach einem letzten größeren Anstieg erreichten wir auf 510m Höhe die Djupfjordheia einen Bergsattel oberhalb des Djupfjordes. Tief unter uns lag auf 222m der noch völlig zugefrorene Fjerdedalsvatnet, vor uns das majestätische Matterhorn der Lofoten, der Hermannsdalstinden, die mit 1.029m höchste Erhebung des Archipels. Nur noch 10' entfernt unter uns versank die Munkebu-Hytte, eine Wanderhütte des Lofoten Turlag, noch ganz im Schnee.
Auf dem Weg zurück trennten wir uns.
Während wir "Senioren" den bekannten schönen Weg mit umgekehrter -also neuer- Blickrichtung zurückgingen, wollte unsere Jugend es um den Merraflestinden herum und am Kolfjellet entlang auf direktem Weg querfeldein hinunter nach Moskenes zum Fähranleger und der dortigen Mietwagenstation versuchen. Was auch gelang! Als ich mit meinem Freund wieder am Ausgangspunkt der Tour an der E10 ankam, wurden wir bereits von einem weißen Nissan Sunny erwartet.
Nun für drei Tage mit einem Mietwagen ausgerüstet, wollten für am späten Abend damit an eine nahegelegene Nordküste aufbrechen, um dort mit etwas Glück die Mitternachtssonne zu sichten.
Nach einem nicht ganz preiswerten,
aber ausgezeichneten Abendessen im zu unserer Ferienanlage gehörenden Restaurant Gammelbua (dt. die alte Hütte) brachen wir eine gute halbe Stunde vor Mitternacht auf. Während die Beobachtung der Mitternachtssonne von Reine aus wegen der dazwischenliegenden Lofotenwand nicht möglich war, hofften wir hinter den Bergen an der nächstliegenden Nordküste auf einen freien Blick auf dieses Naturschauspiel.
Auf dem einzigen Weg die E10 entlang nach Norden in Richtung Küste bei Ramberg passierten wir eine
Baustelle mit signalgelben Schildern, auf denen offensichtlich Uhrzeiten standen. Des Norwegischen nicht mächtig machten wir uns nur kurz Gedanken um deren Bedeutung, fuhren dann aber trotzdem weiter. Das sollte sich wenig später als schlafraubender Fehler herausstellen.
Tatsächlich kamen wir wenige Kilometer danach an der Küste zwischen Fredvang und Ramberg kurz in den Genuss toller Bilder, bevor die Sonne am Horizont hinter
einer dicken Wolkenbank über der See verschwand. Wir fuhren zurück. Und kamen nicht weit. Das überfahrene Hinweisschild stand jetzt inmitten der Straße 🚧 und blockierte diese von 24:00 - 06:00 Uhr am nächsten Morgen: Vollsperrung wegen schwerer Bauarbeiten am Fels.
Als wir realisiert hatten, dass wir die nächsten Stunden
hier im Auto festsitzen würden, konnten wir ebenso gut wieder 'gen Norden an die Küste fahren. Und dafür wurden wir wirklich belohnt: Die Sonne stand nun rot-gelb tief über dem Horizont, die Wolkenbank hatte sich verzogen. Ein phantastischer Anblick, den keiner von uns je wieder vergessen würde.
Den Rest der hellen "Nacht" verbrachten wir dann wieder vor der Baustelle mit einem kleinen Fünkchen Hoffnung, doch zwischendurch die Baustelle passieren zu dürfen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...
...aber starb: Pünktlich um 06:00 Uhr wurde die Fahrt wieder freigegeben und wir fielen nach kurzer Fahrt todmüde in unsere Kojen.
06. Juni 2012 (Tag 3) Schlafen 😴 - Reine - Nusfjord 🚘 Karte der Reiseroute
Reine - Hamnøya - Ramberg - Nusfjord
Fotogalerie zum Vergrößern bitte anklicken...Geweckt durch die helle Mittagssonne und nach einem ausgiebigen Frühstücksbrunch machten wir uns am frühen Nachmittag wieder auf. Heute wollten wir es etwas gemächlicher angehen und -bei strahlendem Sonnenschein- gemütlich mit unserem Mietwagen nach Nusfjord fahren, einer historischen Sehenswürdigkeit auf der Nachbarinsel Flakstadøya...
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Unter strahlend blauem Himmel ging unsere Fahrt -unterbrochen von vielen Fototerminen mit der grandiosen Landschaft- der E10 entlang zunächst Richtung Norden. Durch Hamnøya mit phänomenalem Blick nach Westen über den Reinefjord,
vorbei an unserer bekannten Nachtbaustelle 😉 verließen wir hinter Mølnarodden die südlichere Lofoteninsel Moskenesøya und wechselten über den Sundstraumen auf die Nachbarinsel Flakstadøya. Entlang der Verbindung von offener See im Norden zum Vestfjord im Süden
kann man am Sundstraumen im Wechsel von Ebbe und Flut starke Gezeitenströme (no. straumen) beobachten. Nach schönen Eindrücken auf die Lofotenwand im Westen zwischen Selfjord und Fredvang erreichten wir wenig später Ramberg an der weit geschwungenen Bucht Justnesvika, deren breiter weißer Sandstrand eher
an die Südsee als an die Polarregion erinnert.
An Flakstad vorbei und die menschenleere E10 am Flakstadpollen entlang erreichten wir wenig später das Museumsdorf Nusfjord. Dieses Kleinod aus dem 19. Jahrhundert war einst eines der bedeutendsten Kaufmannsdörfer auf den Lofoten und wichtiges Zentrum der Lofotenfischerei. Mit dem Niedergang der Fischerei im 20. Jahrhundert verfiel dieser Ort zunächst in Bedeutungslosigkeit, bis er als originalgetreu restauriertes Museumsdorf bis heute
eine zweite -touristische- Blüte erlebte. Das gesamte Ensemble Nusfjord Rorbuanlegg wird heute von privater Hand betrieben.
Auf dem Rückweg nach Reine änderte sich das Wetter. Von Westen kam Wind auf und drückte erste Wolkenfelder über die Küstenberge. Der Wind wurde gegen Spätnachmittag immer stärker und pfiff stürmisch über den Kjerkfjord. Doch wir hatten Glück, die über 500m hohe Lofotenwand hielt bis weit in die Abendstunden die Wolken zurück.
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07. Juni 2012 (Tag 4) Reine - Vikten - Leknes - Å 🚘 Karte der Reiseroute
Flakstad - Vikten (Glasbläserei) - Nappstraumen - Leknes - Gravdal - Myrland - Reine - Å
Fotogalerie zum Vergrößern bitte anklicken...Am 4. Tag unseres Aufenthaltes erwartete uns typisches Lofotenwetter, das innerhalb von Stunden zwischen Sonne und Wolken, Wind und Regen wechselte. Unter tief hängenden Wolken starteten wir gegen Mittag in unsere Rundfahrt. Heute wollten wir noch etwas weiter nach Osten bis zur nächsten Lofoteninsel Vestvågøya vordringen...
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Noch während eines kleinen Strandspaziergangs am "Südseestrand" der Justnesvika riss die Wolkendecke über dem Meer auf und bei frischer nordwestlicher Brise sollten wir unser erstes Tagesziel Vikten auf Flakstadsøya bei Sonnenschein erreichen.
Bei Vareid verließen wir die E10 und gelangten auf einem Sträßchen in den kleinen Weiler, der sich etwas verlassen an den Fuß des mächtigen Felsmassivs des 565m hohen Bjørntinden schmiegt. Sehenswert ist am Ortseingang die in einem architektonisch bemerkenswerten Gebäude untergebrachte Glashytta, eine 1976 gegründete Glasbläserei, in der man den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen kann. Charakteristisch für die hier mit lokalem Quarz hergestellten Glasarbeiten ist ihre -geradezu arktisch anmutende- blassbläuliche Transparenz.
Weiter ging unsere Fahrt auf der E10 in Richtung Osten, im Tunnel unter dem Nappstraumen hindurch zu einem nur kurzen Abstecher auf die Nachbarinseln Vestvågøya. Sie ist die bevölkerungsreichste Lofoteninsel. Hauptort und Verwaltungssitz ist die kleine Stadt Leknes, der wir außer einem kurzen Einkaufsbummel nicht wirklich etwas abgewinnen konnten. Auf unserem Rückweg statteten wir bei Gravdal der im Jahre 1905 im Jugendstil erbauten Buksnes Kirke einen Besuch ab. Mit ihrer Lage auf einer Anhöhe ist sie weithin über den Buksnesfjord sichtbar. Danach ging unser Weg wieder zurück nach Flakstadøya. Kurz nach dem Tunnelausgang am Nappstraumen bogen wir zur kleinen Siedlung Myrland an der Nordküste ab. Von diesem Küstenabschnitt soll man bei klarem Himmel ebenfalls einen sehr schönen Blick auf die Mitternachtssonne genießen können.
Das Wetter verschlechterte sich zunehmend, ein kalter Sturm aus Nord zog übers Meer. Keine Bedingungen, die uns einen längeren Aufenthalt angenehm gemacht hätten. Der kleine Weiler schien menschenleer. Nur ein paar Austernfischer machten um uns herum ein ordentliches Gezeter. Als einer der Vögel wie ein Tiefflieger auf Kopfhöhe wieder und wieder auf mich anflog, begriff ich erst den Grund seiner Aufregung. Wir waren seinem Nest zu Nahe gekommen, es lag plötzlich mit frisch geschlüpftem Nachwuchs direkt vor mir. Ein schnelles Foto und wir zogen uns zurück, diese intakte Biosphäre wollten wir nicht weiter stören.
Die Lofotenwand Moskenesøyas lag in den Wolken, als wir auf der Rückfahrt Reine links liegen ließen, um ins 8km entfernte Å dem kleinen Fischerort am Ende der E10 zu fahren. Die Wolkenschleier senkten sich zunehmend herunter bis an die Küste,
und kaum in dem pittoresken Rorbuerort mit dem unschlagbar kurzen Ortsnamen angekommen setzte Regen ein. Wir entschieden, zu unserer Unterkunft zurückzukehren, aber in den verbleibenden Tagen hierher unbedingt noch einmal wieder zu kommen.
Zurück in Reine empfing uns an diesem Abend über Reine- und Kjerkfjord ein faszinierend aufgewühlter Sturmhimmel aus abwechselnd Wolken und immer wieder durchbrechender Sonne.
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08. Juni 2012 (Tag 5) Fahrt über den Kjerkfjord - Ausflug zum Bunesstrand 🛳 Karte der Reiseroute
Reine 🛳 - Kjerkfjord - Vindstadt - Bunesstrand - Reine 🛳
Fotogalerie zum Vergrößern bitte anklicken...Die Fjordskyss (dt. Fjordschiffchen) legte pünktlich um 08:00 Uhr am Freitagmorgen mit einer Handvoll Passagiere -offensichtlich überwiegend Touristen- von ihrem nächtlichen Ankerplatz am Kai von Reine ab. Da hieß es früh aufstehen. Es war ein kalter Morgen, als wir zum wenige hundert Meter entfernten Bootsanleger Reinefjorden gingen, aber es empfing uns strahlender Sonnenschein an einem tiefblauen Himmel gespickt mit Bilderbuchwolken...
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Auf der Fahrt aus dem geschützten Hafen, unter der Brücke der E10 zwischen Sakrisøya und Hamnøya hindurch in den Reinefjord genossen wir die Sonne an Deck des 30 Personen Bootes. Als es dann aber über die offene Wasserfläche des Kjerkfjords nach Westen ging, blies uns der morgendliche Fahrtwind kalt um die Ohren. Dennoch verschwand niemand unter Deck, der Anblick der Berge rund um diese Fjordlandschaft war einfach zu atemberaubend. Einmal ans
Ende des Kjerkfjords - Halt in Kjerkfjorden- ging es danach weiter nach Vindstad, das wir nach einer knappen halben Stunde erreichten. Dort gingen wir an einem kleinen Anlegesteg wieder an Land, um an wenigen verstreut liegenden bunten Holzhäusern entlang eine kleine Passhöhe nach Westen hinauf zu steigen. Oben angekommen tat sich uns ein grandioser Blick auf. 70m unter uns öffnete sich, beiderseits
eingerahmt von mehreren hundert Meter hohen Felswänden, im weiten Halbkreis der Bunesstrand, 600m breit und genauso tief ins Landesinnere ausgedehnt, eine über 2.5km2 große Sandfläche. Von der Uferlinie ging das Meer in den schönsten nur durch weiße Schaumkronen unterbrochenen Türkistönen in eine wahre Palette von Blautönen über, um am Horizont mit einem hellblauen Himmel in Kontrast zu treten. Der Weg hinunter an die Wasserlinie zog sich in die Länge. Zu viel interessantes Strandgut, offensichtlich
über Jahrzehnte angeschwemmt, fanden wir im Sand: kugelrunde (entschärfte) Schiffsminen aus den letzten Weltkriegen lagen unregelmäßig verstreut neben allerlei Ausrüstungsgegenständen und natürlichem Treibgut, die Meeresströmung und Wind in dieser tief eingeschnittenen Bucht angelandet hatten.
Die Wasserlinie erwartete uns dann mit eisigem Seewind aber besonderer Schönheit. In Grün- und Jadetönen lag der nur langsam zum Meer hin abfallende Küstensaum -von den Uferfelsen herab- vor uns.
Nur in windgeschützter Lage zwischen den Felsen ließ sich hier an der offenen See ein Mittagsnickerchen in der Sonne genießen. An Baden war ohne Neoprenanzüge nicht im Entferntesten zu denken.
Da nur eine einzige Fähre nachmittags zurück nach Reine fuhr, machten wir uns rechtzeitig wieder auf den Rückweg, und gingen um 15:25 Uhr in Vindstad wieder an Bord der Fjordskyss für die halbstündige Rückfahrt nach Reine.
Abends legte sich der Wind und die warme Abendsonne lud zu einem Verweilen am Hafen ein.
Es war Freitag Abend, und im ansonsten beschaulichen kleinen Yachthafen von Reine kehrte etwas Wochenendleben ein. Das eine oder andere Segelboot wurde für die Ausfahrt am Wochenende ertüchtigt. In den folgenden Wochen würde der Tourismus mit Heranrücken der Feriensaison für wenige Wochen Leben auf die Inseln bringen, bevor sie Ende August wieder in Ruhe und Stille fallen würden. Dann würden wir längst wieder zuhause sein und uns mit Sehnsucht an diese traumhafte Woche Anfang Juni auf den Lofoten nördlich des Polarkreises erinnern.
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09. - 10. Juni 2012 (Tag 6 - 7) 🇳🇴 Reine - Sørvågen - Fährhafen Moskenes - Fahrpläne und eine verspätete Heimreise 🇩🇪 Detailkarte Lofoten
Reinevatnet - Å - Sørvågen - unfreiwilliges Nachtlager am Fähranleger🚻 - Fähre nach Bodø ⛴ - Rückflug nach Deutschland ✈
Fotogalerie zum Vergrößern bitte anklicken...Am heutigen Samstag war -so die Reiseplanung- unser letzter Tag auf den Lofoten. Kurz nach Mitternacht wollten wir die Fähre von Moskenes zurück nach Bodø nehmen, um dort am Sonntagmorgen unsere gebuchten Rückflüge anzutreten. Es kam anders, wir sollten noch etwas länger hier verweilen...
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...aber dazu später...
Gegen Mittag hatten wir unsere Unterkunft verlassen und unser Gepäck in der Rezeption des Reine Rorbuer deponiert. Da wir am gestrigen Tag nur per Schiff und zu Fuß unterwegs gewesen waren, hatten wir unseren Mietwagen bereits am Vortag zurückgegeben. Also würden wir heute wieder den öffentlichen Bus in Anspruch nehmen, der uns Nachmittags -so unser Plan- Richtung Fähranleger bringen sollte. Doch bis dahin waren noch ein paar Stunden Zeit, die wir uns in den Schärenfelsen um Reine und mit einem kleinen Abstecher zum 67m über Reine gelegenen Reinevatnet vertrieben. Es war windstill, die Sonne drückte durch einen milchigen Himmel und wärmte.
Gegen drei Uhr Nachmittags fanden wir uns dann an der nur einige Meter von unserer Unterkunft entfernten Haltestelle ein und warteten auf den blauen 177Nordland-Bus. Er brachte uns nach Sørvågen,
eine halbe Stunde Fußmarsch südlich des Fähranlegers in Moskenes. Im dortigen Restaurant Maren Anna wollten wir abends gemeinsam bei einem gemütlichem Abendessen Abschied nehmen und dann rechtzeitig vor Mitternacht zur Fähre aufbrechen. Also deponierten wir unser Gepäck bereits nachmittags dort und statteten -zu Fuß die E10 entlang- dem nicht weit entfernten Å einen zweiten Besuch ab.
Die Lofotenwand -es hatte inzwischen aufgeklart- warf bereits lange Schatten, als wir nach Sørvågen zurückkehrten.
Die letzten Strahlen der bereits tief über den umgebenden Bergketten stehenden Sonne tauchten den kleinen Hafen des
Ortes in ein warmes Licht und leuchtende Farben. Unser Restaurant lag unmittelbar über
dem Hafen und glänzte neben einer exzellenten Küche durch einen schönen Blick hinaus auf die bunten Häuser und Boote am und im Wasser. Wir waren bester Laune, als wir dann später am Abend uns mit samt unserem Gepäck auf unseren Fußmarsch Richtung Fähranleger in Moskenes machten. Unterwegs sahen wir auf dem Vestfjord eine Fähre Richtung Festland unterwegs, die wohl gerade in Moskenes abgelegt haben musste. Aber wir hatten ja unseren Fahrplan, unsere Fähre konnte das nicht sein.
Als wir in Moskenes eine Stunde vor Mitternacht ankamen, war keine Menschenseele an der Pier. Eine Fähre war auch nicht zu sehen, nun ja, die konnte ja noch kommen. Kam aber nicht. Als wir uns eine halbe Stunde vor dem Ablegen immer noch alleine am Kai befanden, war uns klar dass hier etwas ziemlich schief lief. Der vor Ort ausgehängte Fährplan klärte uns dann auf:
Er sah ähnlich aus, wie jener, den ich mir während meiner Reisevorbereitungen aus dem Internet heruntergeladen hatte. Allerdings stand hier unter Abfahrtszeit Moskenes nach Bodø "Søndag 00:15N", mit dem Hinweis, "N = neste dag". Die Fähre sollte am Sonntag -über die vorgelagerten Inseln Røst und Værøy nach Mosekenes kommen, um dort nach Mitternacht also erst Montagmorgen 00:15 Uhr in Richtung Bodø abzulegen.
Mein eigener Download-Ausdruck hingegen hatte nur die Fährzeiten Moskenes - Bodø enthalten, 00:15 ebenfalls unter Sonntag eingetragen, jedoch ohne das entscheidende "N". Das musste schiefgehen!
Was tun? Die nächste Fähre ans Festland legte erst wieder am Sonntagnachmittag 15:00 ab, weit und breit war es still und niemand zu sehen, und die Nacht wurde kalt. Einziger zugänglicher und einigermaßen warmer Ort war ein Wasch- und Toilettenhäuschen an der Pier, dort richteten wir uns ein unbequemes Nachtlager ein. Unsere Heimflüge am Sonntag ab Bodø waren natürlich
weg, aber erst ab 09:00 Uhr am nächsten Morgen erreichten wir überhaupt jemanden bei den Fluggesellschaften in Oslo, um neue Rückflüge zu buchen.
Zumindest war es dann ein sonniger Tag, als nachmittags die Fähre nach Bodø einlief. Auf dem Aussichtsdeck des Schiffes durften wir nochmal einen wunderschönen Blick zurück auf die schneebedeckten Gipfel der Lofotenwand genießen. Für den späten Nachmittag hatten wir (wenig preiswerte) Flüge zurück über Oslo buchen können. Leider strandeten wir dann eine weitere Nacht am Flughafen Gardemoen in Oslo, bevor wir am Montag über einen weiteren Zwischenstopp in Kopenhagen gegen Mittag wieder in Deutschland landeten.
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Was bleibt:
Eine Woche in dieser grandiosen Natur nördlich des Polarkreises hinterließ bei uns allen unvergessliche Eindrücke. Wir erlebten eine ursprüngliche Landschaft, eine intakte Biosphäre und die Kraft der Elemente. Sowie ein besonderes Licht. Die Mitternachtssonne und das hier am Polarkreis sehr viel weichere Licht lassen Farben intensiv leuchten und geben dem Archipel seinen Beinamen zurecht: Lofoten - Inseln des Lichtes.
Wir hatten nur eine Woche Zeit und uns daher auf die Südspitze der Lofoten konzentriert. Dies erwies sich auch im Nachhinein als eine gute Entscheidung. Die außergewöhnlich spektakuläre Topographie der Lofotenwand rund um Reine, schöne Wandermöglichkeiten und eine vergleichsweise gute Infrastruktur -insbesondere die leichte Erreichbarkeit per Flug und Fähre- sind, auch wenn man nur eine Woche zur Verfügung hat, ein lohnendes Ziel. Natürlich war uns sehr viel Glück mit dem Wetter ☀ beschieden.
Die Rückreise mit Hindernissen war etwas Pech, aber verglichen mit den großartigen Erlebnissen der Tage davor doch nur eine Randnotiz.
Was ich damals noch nicht wusste: ich sollte drei Jahre später mit meinen Töchtern wiederkommen ...aber leider hatten wir da mit dem Wetter nicht soviel Glück 🌧. Aber dennoch: die Lofoten bleiben Faszination pur!
05.12.2017, Stefan Immerschitt










